Nachruf auf Ina Schenk (1925-2024)

„Eine beeindruckende Frau“

Mittwoch, 17.4.2024

Am 14. April 2024 ging eine Ära zu Ende: Ina Schenk, ehemalige Lehrperson und Initiatorin der Chemieolympiade in Südtirol, ist verstorben. Roswitha Maurer, Landeskoordinatorin der Chemieolympiade, erinnert in einem Nachruf an diese prägende Frau.

Ina Schenk hinterlässt eine Vielzahl von Menschen unterschiedlichen Alters, die sie im Laufe ihres Lebens kennengelernt und begleitet hat. Darunter sind Lehrpersonen, Direktorinnen und Direktoren, vor allem aber viele Schülerinnen und Schüler, die sie im Klassischen Gymnasium Meran und dann im Realgymnasium in Meran, aber auch an der Claudiana in Bozen und in der Abendschule der Wirtschaftsfachoberschule in Meran unterrichtet hat. Besonders zu nennen sind die unzähligen Schülerinnen und Schüler, die sie über Jahrzehnte auf die Chemieolympiade vorbereitet hat. 

Gerade für die Chemieolympiade entwickelte Ina Schenk eine immer stärker werdende Leidenschaft. Es war ihr ein großes Anliegen, dass die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen in ihrer Muttersprache messen konnten. So haben ihre Meraner Schützlinge bereits seit 1989 an der Österreichischen Chemieolympiade über das Bundesland Tirol teilgenommen. Sie war schon längst in Pension, als sie 2001 den ersten Landeswettbewerb der Österreichischen Chemieolympiade nach Südtirol (Meran) brachte. Dadurch begann sich das Netzwerk der Chemieolympiade in Südtirol immer weiter auszudehnen.  Ina Schenk verkörperte Strenge und Selbstdisziplin, Durchsetzungsvermögen und Langatmigkeit, bedingt auch dadurch, dass sie ein Kriegskind war, wie sie immer wieder betonte. Ihre Begeisterung für die Chemieolympiade zeigte sie auch dadurch, dass sie selbst mit 93 Jahren immer noch im Labor des Realgymnasiums Meran Vorbereitungskurse hielt. Auch bei den Landeswettbewerben selbst war sie noch letztes Jahr dabei. 

Ina Schenk

Eine beeindruckende Frau, die trotz ihres hohen Alters vor allem die jungen Leute mit ihrem junggebliebenen Geist und ihrer Motivation stark beeindrucken konnte. Sie hat viele Spuren hinterlassen, die wir gemeinsam weiter tragen und dabei an sie denken werden. 

Neben ihrer großen Leidenschaft zur Chemie war sie auch eine passionierte Weltenbummlerin. Sie hat sehr viele und schöne Ziele auf der ganzen Welt bereist. Ihre vielen Eindrücke, die sie bei ihren Reisen sammelte und festhielt, hat sie immer wieder gern bei Versammlungen oder Treffen gezeigt und darüber berichtet. Ihr letztes Fernziel, eine Reise nach Vietnam, konnte sie mit 91 Jahren leider nicht mehr antreten, auch aus Rücksicht auf ihre zwei Jahre ältere Schwester Jolanda, die vor zwei Jahren im Alter von 99 Jahren verstorben ist. Ihr Tod hat Ina stark gezeichnet. Schwer zu schaffen, machte Ina die Stille und einkehrende Einsamkeit in ihrer gemeinsamen Wohnung. Dennoch ließ sie sich von ihrem täglichen Ausgang nicht abbringen. „Ich muss raus, ich kann ja gehen, das tut mir gut…” 

Bei ihrem 80. Geburtstag verkündete die Weltenbummlerin: „Jetzt werde ich mir Europa anschauen, da hab ich noch nicht so viel gesehen…” Als sie dann aber immer wieder Fernreisen unternahm und darauf angesprochen wurde, meinte sie: „Nein, nein, ich hab gesagt: wenn ich alt bin, reise ich nur mehr in Europa”. Allein diese Aussage zeugt von ihrem jungen und aktiven Geist, der sie belebte und antrieb.  

Sie war in jeder Hinsicht eine „Lebefrau”, die immer im Jetzt und Hier lebte und nie vom Sterben redete. Sie wollte immer Neues sehen und erkunden. Mit dieser Einstellung und ihrem Interesse für die verschiedensten Bereiche hat sie sich ein enormes Wissen angeeignet. Auch im Glauben war sie stark, aber kritisch: Sie nahm nicht einfach alles so an, wie es gepredigt wurde. Sie haderte über so manche Aussage, die sie lange beschäftigte, stellte sich Fragen und versuchte Antworten darauf zu finden. So auch über das Leben nach dem Tod, an das sie nicht glauben konnte, weil es „keine Beweise” für sie dafür gab… jetzt wird sie auch diese Frage noch klären können. 

Ina Schenk – auf Ewig eine Lehrerin mit Leidenschaft und Naturwissenschaftlerin aus dem Bilderbuch. Wir werden sie nie vergessen. 

Siegerehrung der Chemieolympiade 2023 in Bruneck: (v.l.) Landeskoordinatorin Roswitha Maurer, der „Labor-Jonny“ der Schule, Siglinde Doblander, Lorenz Hosp (RG Meran), Matthias Mair (RG Bruneck), Schulinspektor Werner Sporer, die ehemalige Professorin Ina Schenk, Landesrat Philipp Achammer (Foto: LPA/Bildungsdirektion)
Landeskoordinatorin Roswitha Maurer und Landesrat Philipp Achammer mit Ina Schenk bei der Prämierungsfeier am 28.04.2023 an der TFO in Bruneck
Filmporträt von Cornelia Schöpf und Karl Prossliner über Ina Schenk
Roswitha Maurer für die große Gemeinschaft der Chemieolympiade in Südtirol

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